Schwarzes Schloss eines Kunstsammlers

Das schwarze Schloss - Aichberg in der Steiermark

Schwarz erhebt sich Schloss Aichberg über dem Dorf Eichberg und den sanften Hügeln der Oststeiermark mit ihren Obst- und Weingärten. Trutzig und ein wenig bedrohlich wirkt es in all dieser Lieblichkeit rundum.
„Aber das ist keine Absicht“, versichert Cajetan Gril du Guern, aus einer bretonischen Seefahrerfamilie stammend und heutiger Besitzer von Schloss Aichberg. Er entschloss sich das Haus schwarz anmalen zu lassen, da ein Farbbefund bei der Renovierung ergab dass dies die ursprüngliche Fassadenfarbe im ausgehenden 17. Jahrhundert war. Schwarz, oder besser, anthrazitgrau, war also damals offensichtlich Modefarbe für Schlösser dieser Gegend.
Cajetan Gril hat sich als gelernter und begeisterter Historiker intensiv mit der Geschichte Aichbergs und seiner Umgebung beschäftigt.
Als er das Haus 1986 übernahm war es in bedauernswertem Zustand. Der 1. und 2. Weltkrieg, sowie die Verwendung als Quartier der Wehrmacht und der Brand des Vorschlosses 1945, hatten tiefe Spuren hinterlassen.Burg Aichberg, wahrscheinlich im 11. Jhdt erbaut, aber erstmals 1250 erwähnt, wurde als Teil eines Burgengürtels entlang dem Fluss Lafnitz erbaut, der als natürliche Grenze schon Pannonien von Noricum trennte und im 11. Jahrhundert als Grenzfluss zwischen dem Hl. Römischen Reich und Ungarn festgelegt wurde. Im frühen 15. Jahrhundert ging das Schloss von der ritterlichen Familie Aichberg an die Grafen Steinpeiß und blieb für die nächsten 350 Jahre in deren Besitz. Die heutige Form erhielt das Haus 1669 durch einen italienischen Baumeister der Carlone Schule.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts begann für Schloss Aichberg und die umgebenden Ländereien eine Zeit oft wechselnder Besitzer und folglich ein langsamer Niedergang.
Cajetan Gril, der sich selbst als Kunsthändler bezeichnet, und im klassischen Sinne des Wortes ein Kunstkenner ist, widmet sich nunmehr seit den späten 1980er Jahren der schrittweisen Renovierung Aichbergs. Abgesehen von den üblichen Arbeiten hatte er in seiner „Lust zur Kunst“, wie er dies selbst bezeichnet, die originelle Idee Künstler und ihr Werk in die Neugestaltung des Hauses einzubeziehen.
Es begann, als Cajetan entdeckte dass die barocken Türen des Schlosses großteils nicht mehr zu retten waren. Er bat befreundete Künstler um ihren Beitrag und es entstanden an deren Statt Metall- oder Holzskulpturen, Fotos und Spiegelgebilde die erst in zweiter Linie als Türen erkennbar sind, Schiebetüren als Gemälde getarnt und schlichte Türen, die, von den Künstlern bearbeitet und gestaltet, zu Kunstwerken wurden.
Was als künstlerische Lösung für zerstörte Türen begann, erstreckte sich bald auch auf Wände, Decken und Fenster. Über die Jahre haben viele namhafte österreichische und internationale Künstler wie Otto Zitko, Julian Taupe, Hans Weigand, Erwin Wurm, Heimo Zobernig, die Tanten, Oswald Oberhuber und Martin Walde und die Autorin dieser Zeilen um nur einige zu nennen, ihre künstlerischen Spuren in und um das Schloss hinterlassen.
So nähert sich Schloss Aichberg immer mehr einem Gesamtkunstwerk, von den Bewohnern des Dorfes mit eine Mischung aus Stolz und Misstrauen beobachtet.Selbst die privaten Räume des Hausherrn sind der Kunst und seiner Sammelleidenschaft gewidmet.
In seinem Wohnzimmer coexistieren harmonisch eine Sammlung von Plastiktieren aus den 1970er Jahren mit chinesischen Lampen, Möbeln aus den 1960er Jahren und einer Papierguillotine, gefunden auf einem Pariser Flohmarkt. Die Bar beherbergt ein Einkaufswagen aus dem Supermarkt.
Ein Gang durch die viele tausend Bände beinhaltende Bibliothek ist nicht nur beeindruckend sondern auch amüsant, denn erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass die Bibliotheksregale ausrangierte Obstkisten sind. Dies wiederum kombiniert mit Sesseln aus den 1960ern ergibt ein interessantes Bild.Grils Begeisterung und sein Interesse an der Gegend waren maßgeblicher Antrieb für die Renovierung und Wiederbelebung des Schlosses und folglich die Belebung der Umgebung.
Schloss Aichberg ist Teil der „Steirischen Schlösserstrasse“ und mit Sicherheit einen Besuch wert, um mit Grils Worten zu sprechen „und sei die Reise auch noch so weit“.

www.schloesserstrasse.com oder www.aichberg.at

Yvonne Oswald