Fotos vom Leben im Barock, Wohnung Stefan Riedl

Barock und Punk - ein Maler und Sammler in Wien

Ein Besuch in der Wohnung des Malers und Bühnenbildners Stefan Riedl in einem versteckten Biedermeierhaus in der Wiener Josefstadt gleicht einer Zeitreise. „So könnte es in vielen Salons des 19. Jahrhunderts ausgesehen haben“ denkt man, wenn sich die Augen an das Halbdunkel der Räume langsam gewöhnen.

Düster und bühnenartig erscheinen die Räume auf den ersten Blick, vollgestellt mit Möbeln, Büchern und Kerzenhaltern, Ölbildern an jeder Wand, sogar vor den Fenstern. Jeder sichtbare Flecken Wand und Decke ist mit Trompe L'Oeil Malerei gestaltet.

Sieht man dann genauer hin und setzt sich mit diesem punkig-barocken Konzept des Wohnens auseinander, so bemerkt man dass hier jemand in fröhlichem Widerstand zur derzeit überstrapazierten Idee des „weniger ist mehr“ und „mehr Licht, mehr Licht“ und in absoluter Konsequenz seines Leitmotivs sein ureigenes Reich erschaffen hat. Das Ergebnis ist eine ganz private Wunderkammer, dem Barock, dem Rokoko und der Gründerzeit gewidmet. „Elefantenrokoko“ nennt Riedl seine Gründerzeitstücke grinsend und relativiert sogleich die Dramatik seiner „Höhle“.

Seine Sammelleidenschaft habe als Aufbegehren gegen die Liebe seiner Eltern zur skandinavischen Einfachheit begonnen, erzählt er. Anlass war ein Geschenk, ein Puppenhaus aus der Gründerzeit komplett mit Samtvorhängen ausgestattet. Heute noch steht es in Riedls Arbeitszimmer in einem gigantischen Präsentationsschrank aus dem ehemaligen Palais Rothschild (Palais Albert) in der Prinz Eugenstrasse im 4. Wiener Bezirk.

Auch im Esszimmer ein buntes Durcheinander der Stile, metallene Gründerzeitschränkchen stehen neben einem neobarocken Altar aus Klosterneuburg, einem Kerzenleuchter aus der Villa Trivulzio in Rom und über allem turnen drei Katzen.

In Riedls Schlafzimmer teilen sich ein reich intarsiertes Bett um 1660 (erworben auf einer Auktion herrenloser arisierter Objekte), ein burmesischer Wandbehang aus dem 19. Jahrhundert, ein spanischer Tabernakelschrank aus dem 17. Jahrhundert, ein weiterer Schrank aus der Gründerzeit und ein papierener Zeppelin eine düstere Nische.

Der riesige Spiegel im Salon wurde einst von Emil von Förster anlässlich der Renovierung von Schloss Belvedere für den unglücklichen Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich entworfen. Gleich daneben verdeckt ein osmanischer Türbehang von 1860 mit der Imprese des Sultans den Durchgang zum Esszimmer und ein fröhlicher Bursche in Lederhosen lächelt von der Wand, ein Ölbild das Riedl für einen österreichischen Trachtenhersteller malte.

„Niemand wollte vor dreissig Jahren diese historistischen Stücke haben, alle fanden sie scheußlich und deshalb habe ich sie gesammelt“, erzählt Stefan Riedl verschmitzt, „darum kam ich auch nicht in Gefahr dass mir irgendjemand die Stücke bei Geldmangel wieder abkauft“.

Wertvolles und weniger Wertvolles, Skurriles und Schönes haben sich so im Laufe der Jahrzehnte in seiner Wohnung angesammelt. Riedl sammelt nicht einfach ohne Plan und Ziel, sein lässiger Umgang mit der Sammlung täuscht, denn er liebt jedes einzelne seiner Stücke und wählt mit grossem Fachwissen.

Riedls Motto zieht sich konsequent durch alle Räume, seien es seine wunderbar ausgeführten Trompe L'Oeil Malereien an Wänden und Decken, seine gekonnten Kopien von klassischen Gemälden oder auch die vielen Porträts von Freunden oder Familienmitgliedern fallen auf. Seine bühnenbildnerischen Arbeiten sind immer wieder bei der Gestaltung der Kulissen des Wiener Life Balls zu bewundern und auch die Räume des bekannten Wiener „Kaiserbründl“ sind mit seinen Malereien geschmückt.
www.stefanriedl.at

Text: Yvonne Oswald