Außer Saison | Yvonne Oswald Fotografie
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Außer Saison | Yvonne Oswald Fotografie
Außer Saison | Yvonne Oswald Fotografie
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Außer Saison - Fotos touristischer Orte und Landschaften

VON ORTEN UND LANDSCHAFTEN

Angelica Bäumer zu den Fotos von YVONNE OSWALD

Reisen und Ferien, das sind heutzutage untrennbare sozial- und gesellschaftspolitische Selbstverständlichkeiten. Jeder Mensch macht Urlaub. Dabei will er etwas erleben, ob daheim oder in der Fremde, oft will er etwas entdecken, aber möglichst keine Enttäuschung erfahren, auf alle Fälle will er verwöhnt werden, denn nicht nur der Kunde, auch der Gast ist König. Wie aber sieht es an den Orten aus, an denen der Mensch Ferien macht? Ist da noch das originale Bild zu erleben? Oder sind die Orte verändert, damit es dem Gast gefällt? Ist die Landschaft noch so natürlich, oder ist sie schon derartig gewandelt, dass sie ihre Ursprünglichkeit verloren hat? Bäche sind begradigt, Schotterwege asphaltiert, Wiesen sind Geröllhalden, Wälder sind abgeholzt, weil im Winter da eine Skipiste ist, und dort ein Sessellift, der die Gäste auf den Gipfel bringt. Bequem und mühelos.

Was geschieht mit einer Landschaft wenn die Gäste abgereist sind?

AUSSER SAISON, nennt Yvonne Oswald ihre Fotoserie, die sich mit Ferien befasst und zwar nicht von der Seite der Gäste, auch nicht von der Seite der Gastgeber, wenn man die Ortschaften, die Hotels und Gasthäuser, besonders aber die Landschaft, als Gastgeber bezeichnen darf, sondern von der Seite einer Künstlerin, die ausgezogen ist, die Originalität zu finden, die Ursprünglichkeit der Landschaft, der Häuser, der Gassen und Plätze, vor dem Tourismus.

Sie hat die Plätze besucht, nicht als Touristin und nicht als Gast, sondern mit der Neugierde einer Person, die es wissen will: was ist denn danach – nach den Gästen. Sie hat die Orte außerhalb, oder besser gesagt, nach der Saison, ins Auge gefasst. Sie hat mit ihrer Fotoreise gewartet, bis all die Vor- Haupt- und Nachsaisonen mit ihren unterschiedlichen Preisen und ihrem unterschiedlichen Publikum vorbei sind und die Orte, die Häuser und die Landschaft wieder zu ihrem Ursprung zurückfinden, sich sozusagen auch mal ausruhen können. Sie wollte wissen, haben diese Plätze ihren Ursprung wieder gefunden? Oder ist er unwiederbringlich verloren? Sind sie Vergangenheit – wie alte Erinnerungen?

Die Schönheit einer Landschaft liegt in ihrer Melancholie

„Die Schönheit einer Landschaft liegt in ihrer Melancholie“ dieses Motto ihrer Bilderreise hat Yvonne Oswald von dem türkischen Dichter Ahmet Rasim übernommen, weil es für sie der richtige Ansatz ist zum Verstehen der Natur mit dem sich ewig wiederholenden Stirb und Werde, aber auch mit dem Geheimnis der Verwandlung in und durch Kunst. Die Melancholie ist oftmals auch in Trauer umgeschlagen über die Verluste an Originalität und Aura, die sie gesehen und beobachtet hat. Als Künstlerin hat Yvonne Oswald aber diese Trauer in eine künstlerische Form gebracht, hat die Schönheit gefunden, die auch im Vergehen liegt, sogar im Verlust, wenn man, so wie sie, „dahinter“ zu sehen versteht. Mit ihrem „dritten Auge“, wie sie sagt.

Sie schaut durch Fenster hinaus auf die leere Terrasse, die Stühle sind aufgestapelt, der Regen läuft an der Glasscheibe hinunter, Sonnenschirme und Tische verschwinden im Schnee, der Plastikstuhl liegt schon lange im Wasser und bietet in dem leichten Wellengekräusel ein bizarres Bild, über den schneebedeckten Steg laufen höchsten ein paar Möwen.

Landschaft in Stille und Verlassenheit

Stille und eine beinahe unheimliche Ruhe liegt über der Landschaft. Die Tage sind kurz, die Wälder stehen wirklich „schwarz und schweigend“, der See ist grau wie der Himmel, das Wasser ist schwer und ohne Glanz, keine Sonne spiegelt sich in den Wellen. Die Orte sind den Bewohnern zurückgegeben, die Fenster sind geschlossen, alles scheint verlassen, es wirkt als wären nicht nur die Gäste abgereist, sondern auch die Einheimischen, man sieht sie kaum, als hätten sie sich erschöpft vom lauten und hektischen Urlaub der Anderen unsichtbar in ihre Häuser zurückgezogen.

All das erzählen die Fotografien. Zu jedem einzelnen Bild kann sie eine Geschichte erzählen, jedes gibt allerdings auch Assoziationen frei und lässt den Betrachter an seine eigenen Besuche in Ferienorten am See denken, an sommerliche Wanderungen, an Bootsfahrten und Wasserspaß, an abendliche Treffen mit anderen Sommergästen, die zu meist kurzzeitigen Freundschaften führen, aber später zuhause, bald wieder vergessen sind.

Yvonne Oswald geht mit ihrer Kamera spazieren, sie schaut konzentriert und kennt genau den einen, den ganz besonderen Moment, der das Motiv so wiedergibt, wie sie es sich wünscht. Die Möwe, die gerade vom Steg auffliegt, das Fenster, dem der Regen eine ganz eigene Struktur gibt, das letzte Licht auf einer Pfütze. Nichts wird hier manipuliert, wie es heute am Computer so leicht möglich ist, sie „malt mit der Kamera“, sagt Cajetan Gril zu ihren Fotos. Was die Künstlerin interessiert ist die Intimität, das Ursprüngliche, das „Dahinter“, sie sucht selbst im Verlust noch den ursprünglichen Sinn, sie hofft, dass der praktisch notwendige Anspruch die Intimität nicht zerstört, und sie fragt, ob nach all den Saisonen das Original wieder da ist, oder ob nicht doch das Kommerzielle den Ursprung endgültig ruiniert hat.

Schönheit und Poesie der Vergänglichkeit

So ist die melancholische Stimmung, die Yvonne Oswald in ihren Bildern wiedergibt eine doppelte: die Sorge und Wehmut über das Verlorene, aber doch auch die Schönheit und Poesie der Vergänglichkeit. Sie vermittelt die Erkenntnis des ewigen Kreislaufes der Natur, wie es in den Jahreszeiten so eindrucksvoll erlebt wird. Daneben aber verzaubert sie auch die Einsamkeit. Die Stille der Natur und die Verlassenheit der Orte und Gebäude. Plötzlich scheint alles nutzlos zu sein, die Gastgärten und Bootsstege werden nicht gebraucht. Erst zur nächsten Saison werden sie wieder geputzt und frisch gestrichen, die Fenster werden wieder blank sein und die Tische und Stühle für die Gäste bereitstehen.

Melancholischer Zauber

Aber jetzt ist alles still und die Künstlerin kann sich dem melancholischen Zauber hingeben. Sie versteht ihr Fotografieren als künstlerischen Prozess, sie nähert sich ihrem Objekt nicht mit sachlicher Kühle, oder gar mit analytischem Intellekt, sondern mit einer beinahe romantischen Sehnsucht nach Schönheit auch im Verlorenen, nach der geheimnisvollen Leere nach dem oftmals sehr oberflächlichen Vollen. Nachdenklich und gut vorbereitet geht Yvonne Oswald an ihr Thema heran, sie liest viel, befasst sich lange mit dem Thema. Erst wenn sie weiss was sie will, kommt die Kamera ins Spiel. Mit Routine und hohem Können, mit Konzentration, aber auch mit spielerischem Ernst geht sie an die Arbeit. Immer aber auch mit dem Wissen um das Entscheidende, dass die Umsetzung im Unwägbaren, ja im Unbewußten liegt, nur so, das weiss sie, ist das Ergebnis ein künstlerisches, ein einzigartiges und originäres Ereignis - das ist der Glücksmoment der Künstlerin.

Angelica Bäumer
Kulturjournalistin, Autorin, Ausstellungsmacherin